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Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Druckversion

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Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Felia - 23.04.2019

Hallo ihr Lieben, die ihr hier gelandet seid  blumi

Habt ihr noch Hoffnung, irgendwann ein Leben ohne die Essstörung führen zu können oder möchtet ihr das möglicherweise gar nicht, weil sie nun schon so lange ein Teil eures Alltags ist und einfach dazu gehört? 
Oder ist es euch trotz dem festen Willen, die ES nicht mehr in eurem Leben haben zu wollen, nicht möglich diese loszuwerden? 

Wie sähe für euch ein Leben ohne die ES aus? Was sind eure Wünsche, Vorstellungen und Ziele? 

Seid ihr noch auf dem Weg, Schritt für Schritt zurück zu einem gesunden Essverhalten?
Oder habt ihr diese Vorstellung bereits aufgegeben und versucht nur noch "den Schaden" an der eigenen Gesundheit möglichst gering zu halten?  

"Einmal Essgestört = immer essgestört" oder "Nichts ist unmöglich"? 
Wo seht ihr euch - wie denkt ihr darüber? 

Teilt eure Gedanken mit uns =)


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Finja - 24.04.2019

Hallo Felia,

ich finde es gar nicht so einfach, das zu beantworten. Ich bezeichne meine "Beziehung" zur ES gerne als Hassliebe. Ich weiß, was sie aus einem machen kann, habe durch die mangelhafte Ernährung körperliche Beschwerden gehabt, mich isoliert, gelogen, vertuscht usw. Und ich war immer mal an dem Punkt, an dem ich mir dachte: "Ich will das nicht mehr!" Aber schlussendlich ist sie schon sehr lange Teil des Lebens und ist eben auch "da", wenn alles andere wegbricht. 

Ein Leben ohne die ES kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Ich war all die Jahre immer irgendwie besessen von Essen, sei es im Hinblick auf Gewichtsabnahme oder bspw. auch gesünder essen - wobei ich fest davon überzeugt bin, dass dieses "ich interessiere mich für gesunde Ernährung" zumindest teilweise auch der Versuch ist, die ES in gewisser Weise "auszuleben" (zumindest bei mir vermute ich es). Ich setze mich sehr viel damit auseinander, schaue Videos, lese Bücher und stöbere im www nach Infos von meiner Meinung nach guten US-Ärzten, gehe meinen virtuellen Sozialkontakten teils vermutlich ganz schön damit auf die Ketten, weil ich dann teils regelrecht besessen von dem Gedanken bin, dass sich Familie/Freunde und auch alle anderen Menschen unbedingt gesünder ernähren müssen.  stups Es dreht sich daher wohl wahnsinnig viel in meinem Leben ums Essen und ich glaube, manchmal bin ich mir dessen auch gar nicht so bewusst wie jetzt gerade, also auch darüber, dass ich neben dem Essverhalten selbst scheinbar auch Wege suche, das Ganze immer wieder irgendwie zum Thema zu machen - daher noch mal danke für diesen Anstoß. 

Ich denke schon, dass man einen Weg raus aus der Essstörung finden kann, also "einmal essgestört, immer essgestört", das denke ich nicht unbedingt, zumindest nicht, was das Essverhalten angeht - aber ich glaube, es lässt die wenigsten gänzlich los, aber kann mir schon vorstellen, dass man die Gedanken zumindest eindämmen lernen kann. Auch wenn ich glaube, dass das ein extrem harter Kampf ist. Ich habe mich damit abgefunden und auch das ist ein kampf, denn wenn man es akzeptiert, geht es einem ja dennoch nicht gut und man hält eben an den Gewohnheiten, Zwängen etc. fest. Und es ist in gewisser Weise eben immer eine Gratwanderung ....
(23.04.2019, 20:22)Felia schrieb: Oder habt ihr diese Vorstellung bereits aufgegeben und versucht nur noch "den Schaden" an der eigenen Gesundheit möglichst gering zu halten?  

Ich würde sagen, das trifft es (für mich) auf den Punkt. Zwar habe ich manchmal durchaus den Drang, eine Grenze zu überschreiten, auszuprobieren und zu schauen, wie es sich anfühlt, ein ganz klein wenig Risiko einzugehen, um mir zu beweisen, dass ich die Kontrolle habe (was bescheuert ist, denn es entgleitet einem so schnell, und nur weil man es doch irgendwie mit Ach und Krach wieder halbwegs gerade gerückt bekommt, heißt das noch lange nicht, dass man die Kontrolle hat ...). Aber überwiegend ist es tatsächlich so, dass ich schlicht versuche, den Schaden möglichst gering zu halten.

Wie denkst du zu den Fragestellungen?

blumi


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Lilith - 25.04.2019

Ich persönlich glaube nicht daran, dass ein Leben komplett ohne ES möglich ist. Es würde immer ein Kampf gegen die ES sein. Denn die Gedanken, die Denkweise, lässt sich nicht so einfach auslöschen und das erlernte Wissen eben auch nicht. Bei mir beispielsweise das Wissen, dass ich ganz einfach alles erbrechen könnte und damit alles ungeschehen machen, was ich gegessen habe. Das wird immer wieder ein Trigger sein. Das Wissen, dass man auf diese ungesunde Weise schon mehrfach erfolgreich abnehmen konnte. Und auch das Empfinden was man für seinen Körper schön findet, wie man sich wohl fühlt ist denke ich nur schwer "umzulernen". Da wäre eine Gehirnwäsche nötig... Zumal der Druck von Außen immer da ist. Medien und Co idealisieren eben immer noch den dünnen Frauenkörper. Makellos. Ich denke man kann eher lernen sich irgendwie zu arrangieren. Irgendwo in einem gesunden Normalgewicht zu verweilen. Aber für mich ist das noch unvorstellbar, da ich bisher nie geschafft habe diese Balance zu (er)halten. Wenn ich nicht destruktiv mit meinem Essverhalten umgehe, esse ich ungesund/zu viel und lande unweigerlich im Übergewicht. Und dann springt die Alarmglocke wieder an und spätestens dann geht der Kreislauf von vorne los. Den zu durchbrechen stelle ich mir unsagbar schwer vor.


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Felia - 28.04.2019

Ich habe schon noch die Hoffnung, dass es irgendwann ohne die Essstörung geht, weil dadurch einfach der Körper sehr kaputt geht. Wenn man davon nicht weg kommt, wird es immer schlimmer werden und es ist jetzt schon recht viel nicht mehr in Ordnung. Kostet auch viel Geld, den Körper einigermaßen in annehmbarem Zustand zu halten augi  (Medis, Zahnarztkosten, etc.) 

Dass man irgendwann völlig frei von allem ist, glaube ich nicht - aber man kann sicherlich einen anderen Umgang damit lernen, wenn man wirklich will. Wenn ich diese Hoffnung nicht hätte, wäre ich wohl sehr verzweifelt - deswegen mag ich diese Hoffnung nicht aufgeben.


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Feele - 03.05.2019

Hallo,
ich glaube auch nicht daran, das man komplett aus der ES rauskommen kann. Wie Felia schon schrieb, kann man einen anderen Umgang damit lernen, aber weg im Sinne von vollständiger Heilung daran glaube ich ( auch im Bezug auf mich) auch nicht. Obwohl ich relativ stabil bin, habe ich dennoch immer wieder mit den betreffenden Themen ums Gewicht, Essen, Kalorien etc zu tun. Von daher bin ich davon überzeugt das eine wirkliche Heilung Niemals möglich ist. Immerhin reden wir hier über eine Sucht, die nicht mit dem abklingen der Symptome einfach verschwindet. Ich weiß ehrlich gesagt nichtmal, ob ich das wollen würde. Ich bin schon so lange krank, das ich keinen Schimmer davon habe, wie es möglicherweise wäre einfach gesund zu sein..


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Finja - 03.05.2019

Ja, es ist eine Sucht - und ich denke, ähnlich wie bspw. bei Drogen ist es durchaus möglich, die Symptome in den Griff zu bekommen und teilweise auch den körperlichen Schaden zu begrenzen bzw. sogar weitgehend oder ganz zu genesen (je nach individuellem Verlauf etc.). Aber es gehört eben allen voran die Psyche dazu und diese Themen wird man wohl nie gänzlich ausblenden können. So, wie Alkohol oder andere Drogen Betroffene triggern, gibt es auch bei Essstörungen Auslöser, die nicht verschwinden werden. Und ich glaube schon, dass man auch das in den Griff bekommen kann (wenngleich es alles andere als leicht ist), aber genau wie ihr denke ich nicht, dass diese Gedanken wirklich gänzlich verschwinden, dafür sitzt es einfach zu tief.

Felia, ich glaube, auch wenn man um all diese Fakten weiß, ist es auch wichtig, diese Hoffnung dennoch nicht ganz aufzugeben, sie ist in gewisser Weise ja auch eine Art Anker, "Strohhalm".


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Lucia - 03.05.2019

Ich denke das es möglich ist vollkommen ohne Essstörung zu leben auch wenn man noch so viele Rückschläge hat. Es kommt allerdings darauf an was man unter dem Begriff "gesund sein" versteht. Für Person A ist ein "normales" Essverhalten nach Plan zu essen & sein Gewicht in größeren Abständen zu kontrollieren & für Person B ist es "normal" von Mo-Fr gesund zu essen & sich am Wochenende alles mögliche reinzuhauen & Person C macht es vielleicht ganz anders für die ist es "normal" 1x wöchentlich einen Binge zu haben. Mittlerweile ist es für viele auch normal Kalorien zu zählen (siehe Instagram), die empfinden es nicht als lästig oder einschränkend. Da gehen die Meinungen ja auch auseinander, die einen sagen das ist bereits essgestört & andere sehen darin kein Problem. 
Ich finde es soll jeder so machen wie er denkt, solange kein Leidensdruck dahinter steht würde ich auch nicht von einer Störung sprechen. 
Bei uns im Forum sieht das Ganze schon etwas anders aus. Einige wollen frei sein & essen/trinken können wie sie wollen schaffen es aber nicht weil ihr Kopf etwas anderes sagt & das finde ich auch so schwer zu beschreiben, es geht um eine Person die zwei völlig unterschiedliche Wünsche hat. Auf der einen Seite Kontrolle & auf der Anderen frei sein & ihr Leben leben. 

Seid ihr noch auf dem Weg, Schritt für Schritt zurück zu einem gesunden Essverhalten?
Oder habt ihr diese Vorstellung bereits aufgegeben und versucht nur noch "den Schaden" an der eigenen Gesundheit möglichst gering zu halten? 
Ich werde niemals aufgeben weder gegen meine Essstörung noch gegen die Depression oder die Ängste. Also würde ich sagen das ich auf dem Weg zu einem natürlichen & ausgewogenen Essverhalten bin. Die einzigsten Zahlen die mich in Zukunft noch interessieren sind Jahrestage & Finanzen. Ich bin mir bewusst das es noch ein ganzes Stück dauert & vielleicht auch ein bisschen naiv klingt, aber auf bzw. ergeben ist & war noch nie eine Option für mich.


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Felia - 04.05.2019

(03.05.2019, 15:38)Lucia schrieb: Ich werde niemals aufgeben weder gegen meine Essstörung noch gegen die Depression oder die Ängste. Also würde ich sagen das ich auf dem Weg zu einem natürlichen & ausgewogenen Essverhalten bin. Die einzigsten Zahlen die mich in Zukunft noch interessieren sind Jahrestage & Finanzen. Ich bin mir bewusst das es noch ein ganzes Stück dauert & vielleicht auch ein bisschen naiv klingt, aber auf bzw. ergeben ist & war noch nie eine Option für mich.

Ich finde überhaupt gar nicht, dass es naiv klingt =) 
Eher total stark lieb


RE: Ein Leben ohne Essstörung - möglich/unmöglich? - Lucia - 05.05.2019

Vielen Dank Felia :)